VITA Magazin
2-2021
7/19

Antiautoritäre Erziehung – eine gute Methode?

In den 70-er Jahren erzogen viele Eltern ihre Kinder antiautoritär – also „ohne Zwang“. Einige setzten dabei wenige Grenzen, andere überhaupt keine



Antiautoritäre Erziehung – die Idee dahinter ist, Kinder selbst entscheiden zu lassen, was sie möchten und was nicht. 


Sie entstand aus der damals vorherrschenden Abneigung gegenüber einer autoritären Erziehung, in der es vor allem um Gehorsam ging und die bis dahin weit verbreitet war. Die neue, antiautoritäre Erziehung wollte eine freie Entfaltung des Kindes ermöglichen – Zwang und Strafen gab es nicht. Ein Vorteil dieser Erziehungsform: Die Kinder erhalten schon früh Verantwortung. Sie sind praktisch gleichberechtigt und entwickeln im positiven Fall ein überwiegend freundschaftliches Verhältnis zu Erwachsenen. 


Kritik von Experten


Die meisten Pädagog:innen sehen in einem antiautoritären Erziehungsstil allerdings keinen Segen. Sie befürchten, dass ohne Grenzen erzogene Kinder nicht lernen, Rücksicht auf andere zu nehmen, sich unterzuordnen oder Kritik zu ertragen – weil sie es einfach nicht gelernt haben. Gerade in jungen Jahren sind sie mit Entscheidungen, die bei einer antiautoritären Erziehung von ihnen erwartet werden, schlicht überfordert. Da es ihnen an Erfahrung fehlt, können sie Konsequenzen noch nicht einschätzen. Soziale Kompetenzen wie zum Beispiel Rücksichtnahme sind bei antiautoritär erzogenen Kindern oft nicht ausreichend ausgebildet. Auch erweisen sich fehlende Regeln insofern als Nachteil, als das „normale“ Leben ohne Regeln einfach nicht funktioniert.


Ein zeitgemäßes Erziehungsmodell?


Heute ist antiautoritäre Erziehung kein wirkliches Thema mehr und wird nur noch in einigen wenigen privaten Schulen und Kindergärten angewendet. Inzwischen ist ein demokratischer Erziehungsstil gang und gäbe, der von der antiautoritären Erziehung inspiriert ist. Bei diesem gibt es zwar Pflichten, Regeln und Vorschriften – das Kind hat aber auch Freiheiten, damit es sich persönlich entfalten kann. Allgemein herrscht die Auffassung, dass Kinder sehr wohl Grenzen brauchen, die ihnen Orientierung bieten, soziale Zugehörigkeit ermöglichen und ihnen dabei helfen, innerhalb einer Gruppe ihre Rolle zu finden.