VITA Magazin
4-2020
10/19

... eine Ergotherapeutin?

Eine Ergotherapie lässt  Menschen, die in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt sind, tatkräftige und/oder psychiatrische Unterstützung zukommen. Damit sollen sie für den Alltag gestärkt und die Durchführung von Aktivitäten, die zu ihrer Selbstversorgung beitragen, erleichtert werden.


Tanja Hinrichs arbeitet seit 2009 als Ergotherapeutin und ist in der Praxis für Ergotherapie am UKE tätig. Die Praxis hat Standorte in Eppendorf, Eimsbüttel und Hoheluft. 


Was genau macht eine Ergotherapeutin?


Ergo ist griechisch und bedeutet „handeln“ – ganz einfach gesagt unterstützt eine Ergotherapeutin Menschen dabei, wieder ins Handeln zu kommen. Schlaganfallpatienten etwa beüben mit den Ergotherapeutinnen, sich wieder ein Brot zu schmieren, einen Tee zu kochen oder andere alltägliche Verrichtungen auszuüben. Bei Ergotherapien im psychiatrischen Bereich geht es darum nach einer Krankheit oder einem traumatischen Ereignis zum Beispiel den Selbstwert eines Menschen zu stärken, ihm beim Aufbau einer Tagesstruktur zu helfen, Stress zu bewältigen oder wieder soziale Kontakte aufzunehmen.


Wie wird man Ergotherapeutin?


Ich war damals immer gern kreativ tätig und gleichzeitig schlug mein Herz für Soziales und die Arbeit mit Menschen. Eine Kombination aus beidem ist der Beruf der Ergotherapeutin – für mich also ideal. Zur Ergotherapeutin wird man durch die Ausbildung auf einer spezialisierten Schule – heute kann man das Fach Ergotherapie auch studieren oder ein duales Studium absolvieren.


Aus welchem Grund kommen die Menschen zu Ihnen?

Unsere Begleitung nehmen Menschen aller Altersklassen in Anspruch. Die Patienten kommen häufig nach schweren Krankheiten oder aus verschiedensten anderen Gründen, die sie daran hindern ihr Leben so zu leben, wie sie es möchten. Sie lernen dann zum Beispiel mit Hilfsmitteln wie einem Rollstuhl umzugehen oder ganz einfach ihr Essen zuzubereiten, zu duschen – den normalen Alltag praktisch zu bewältigen. Ich arbeite in einer Praxis, die schwerpunktmäßig psychiatrische Themen bearbeitet. Zu uns kommen Menschen, die daran arbeiten möchten zum Beispiel wieder soziale Kompetenzen zu erlangen, die ihr Selbstbewusstsein stärken oder lernen wollen, eigene Grenzen zu erkennen.

Wie läuft eine therapeutische Sitzung bei Ihnen ab?

Sehr patientenzentriert: Der Patient bringt das Thema mit, das anliegt. Viele Patienten treffen sich in einer Gruppe und sind dort kreativ tätig um mal wieder etwas für sich zu tun, Freude zu empfinden oder aber Menschen um sich zu haben. Bei einer Arbeitstherapie bekommen die Patienten bestimmte Aufträge anhand derer sie die Grundarbeitsfähigkeiten trainieren; durch die Therapeutinnen gibt es Feedback und dadurch Entwicklungsmöglichkeiten. Zu anderen Patienten gehen wir nach Hause und dann zum Beispiel einkaufen, wir öffnen und erledigen gemeinsam die Post oder üben andere alltägliche Tätigkeiten. In neurologischen Ergotherapien wiederum wird der Patient bewegt, erhält ein Gehtraining oder ein Entspannungseinheit – es gibt nahezu unendlich viele Möglichkeiten.

Arbeiten Sie auch mit anderen Therapeuten zusammen?

Ja, häufig. Bei Wohnungsverlust oder Ähnlichem kooperieren wir mit Sozialarbeitern, die dann etwa bei der Antragstellung helfen. Dann natürlich mit Ärzten, Psychologen, Logopäden und Physiotherapeuten oder auch ambulanten Pflegediensten.